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Mein Kind schlägt sich selbst – Autoaggression

autoaggression

Inhalt

Definition der Autoaggression
Formen der Selbstverletzung
In welchem Alter?
Selbstverletzung bei Kleinkindern
Wie gehe ich mit autoaggressivem Verhalten um?
Therapiekonzepte


Kinder, die sich in die eigene Hand beißen. Ein Kind, das sich selbst schlägt, wenn es wütend ist. Kleinkinder, die mit dem Kopf gegen das Regal oder gegen die Wand schlagen. Wenn sich Kinder selbst schlagen, dann sprechen wir von der Autoaggression. Also eine Aggression, die das Kind gegen sich selbst richtet.

Definition der Autoaggression

Der ICD-10 Diagnoseschlüssel definiert die Autoaggression als die „vorsätzliche Selbstbeschädigung auf nicht näher bezeichnete Weise“. Also jede Methode der Selbstbeschädigung unabhängig von Alter des Menschen und von der Ausprägung her ist als Autoaggression zu definieren. Die Definition trifft zu, wenn sich die betroffene Person innerhalb von einem Jahr an mindestens fünf Tagen absichtlich eine Schädigung am Körpergewebe zugefügt hat. Dies ist grundsätzlich vom suzidalen Verhalten abzugrenzen, das eine Selbsttötungsabsicht zur Grundlage hat.

Das Kind haut sich selbst, wenn es wütend ist - Formen der Selbstverletzung

Das Kind schlägt sich selbst – Das ist nur eine Methode des autoaggressiven Verhaltens. Doch die Selbstverletzung kann sich auch auf andere Weise zeigen:

  • Aufschneiden, Aufritzen oder Aufkratzen der Haut mit den Fingernägeln
  • Wiederholtes Schlagen mit dem Kopf an Gegenstände oder mit den Händen gegen den Kopf
  • Der Faustschlag gegen harte Gegenstände bis zur Blutung oder einem Hämatom
  • Die „Trichotillomanie“, das Ausreißen von Haaren
  • Schlagen mit Gegenständen gegen den eigenen Körper
  • Bohren in die eigenen Augen
  • Stechen mit Nadeln
  • Vorsätzliche Herbeiführungen von Verbrennungen
  • Verätzungen des Körpers mit Chemikalien
  • Körperteile abschnüren
  • Die Einnahme schädigender Substanzen

In welchem Alter kann autoaggressives Verhalten auftreten?

Nicht selten zeigt sich dieses Verhalten in der Pubertät, also ab dem 12. Bis 15. Lebensjahr. In Deutschland sind mehr als 5 Millionen Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 Jahren davon betroffen. Die Selbstverletzungen sind bei weiblichen Jugendlichen häufiger zu beobachten als bei männlichen. Aber auch im Kindesalter, schon bei Babys kann autoaggressives Verhalten auftreten.

Selbstverletzungen bei Kleinkindern

Ca. 20 bis 30 Prozent aller Kleinkinder durchlaufen eine sogenannte „schwere Trotzphase“. Hierbei können Wutausbrüche auftreten, die auch zur Selbstverletzung führen können. Die Auslöser hierfür können vielfältig sein:

  • Das Kind bekommt von den Eltern nicht, was es sich wünscht.
  • Etwas klappt nicht beim Spiel oder bei Aufgaben, die an das Kind gestellt werden.
  • Das Kind fühlt sich einem Stress ausgesetzt, mit dem es nicht fertig wird.
  • Das Kind kann seine Probleme nicht mit Worten artikulieren.

Methoden zum Umgang mit Autoaggression bei Kindern

Wenig hilfreich ist es, ein Kind mit Süßigkeiten vom unerwünschten Verhalten abzulenken. Dies kann als Belohnung interpretiert werden und die Autoaggressiven Tendenzen noch weiter verstärken.

  • Bieten Sie stattdessen Ihrem Kind die Chance, das eigene Verhalten zu reflektieren, nachdem es sich wieder beruhigt.
  • Verdeutlichen Sie Ihrem Kind, dass die Möglichkeit besteht, sich Hilfe zu holen.
  • Vermeiden Sie Überforderungen
  • Helfen Sie Ihrem Kind eine überfordernde Situation in Worte zu fassen
  • Werden Sie ein gutes Vorbild für Ihr Kind in Stresssituationen

Therapie für autoaggressive Personen

Vor allem bei älteren Kindern und Jugendlichen bieten sich auch verschiedene Therapieformen für junge Menschen mit autoaggressiven Tendenzen an. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie hat hierfür eine Behandlungsrichtline herausgegeben, die auch die Begleitbehandlung mit Psychopharmaka einschließen kann. Als therapeutische Ansätze bietet sich die Tiefenpsychologie und die Verhaltenstherapie an.


Foto: FeeLoona / pixabay.com (pixabay license)
Artikel geschrieben von Andreas Mettler
veröffentlicht am Sonntag, 5. Mai 2019

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