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Erlebnispädagogik

erlebnispaedagogik

Als Fachgebiet der Pädagogik setzt sich die Erlebnispädagogik das Ziel, dem Adressaten mit Gruppenerfahrungen in der Natur soziale Kompetenzen und die Entwicklung der Persönlichkeit zu fördern. Ansätze der Erlebnispädagogik können auch mit Methoden der Abenteuerpädagogik, der Spielpädagogik und der Sozialpädagogik ergänzt werden. Die Erlebnispädagogik hat ihre Wurzeln in der Reformpädagogik.

Grundlagen der Erlebnispädagogik

In seinem Buch „Emile oder die über die Erziehung“ beschreibt Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) die Erlebnispädagogik als ein Ansatz der „natürlichen Erziehung“. Nach dem Prinzip „Zurück zur Natur“ setzt Rousseau auf eine Erziehung ohne Erzieher und dementsprechend auf eine Erziehung ohne Strafe. Die Erziehung soll durch die Natur erfolgen.

Henry David Thoreau (1817 – 1862) sah als Folge von Luxus, Mode, Zivilisation und Bequemlichkeit ein Verlust der Unmittelbarkeit. Eine Auszeit aus dem vertrauten sozialen und zivilen Umfeld könne deshalb zu einem positiven Perspektivenwechsel führen. Thoreau sah in den Bequemlichkeiten des Zeitgeists ein Hindernis für den Aufstieg des Menschengeschlechts. Thoreau lebte gemäß seiner eigenen Philosophie in einer selbstgebauten Blockhütte ein bedürfnisloses Leben.

John Dewey verstand das Ausprobieren als die aktive Seite der Erfahrung und stellte in diesem Kontext den Prozess des Lernens und die sozialen Aktivitäten des Kindes in den Vordergrund. Auch Robert Baden-Powell und die von ihm gegründete Pfadfinderbewegung gilt als geistiger Vater der Erlebnispädagogik.

Die moderne Erlebnispädagogik

Wie der Name vermuten lässt, steht das Erlebnis bei diesem pädagogischen Ansatz im Mittelpunkt. Dabei wird heute unterschieden zwischen der erlebnisorientierten Pädagogik und der Erlebnispädagogik. Bei der erlebnisorientierten Pädagogik spielen die Aktivitäten in der Natur eine wesentliche Rolle, sie müssen jedoch nicht im Mittelpunkt stehen. Bei der Erlebnispädagogik wird hingegen das Erlebnis als Bewusstseinsvorgang verstanden, die den Menschen tief und ganzheitlich von der Wert- und Sinnfülle eines Gegenstandes ergreift. Einzelne Situationen werden dann als Erlebnisse verstanden, wenn Sie vom Betrachter als etwas Außeralltägliches empfunden werden.

Die Schulerlebnispädagogik

Auch in den Schulen sind Einflüsse aus der Erlebnispädagogik erkennbar. Die Schulerlebnispädagogik setzt sich das Ziel, die Erlebnispädagogik im schulischen Alltag umzusetzen. Hierdurch soll eine Stärkung der Partner-Kompetenz und der Selbstkompetenz und der Schulklassengemeinschaft erreicht werden. Die Schulerlebnispädagogik soll einen Gegenpol zum kopfbetonten und sitzgefesselten Schulunterricht darstellen. Sie setzt auf ganzheitliches Lernen und Reflexion. Die an die Gruppe übertragenen Aufgaben sollen einen Herausforderungscharakter haben und die damit verbundene Verantwortung real sein.


Foto: Thoralf / pixabay.com (public domain)
Artikel geschrieben von Andreas Mettler
veröffentlicht am Donnerstag, 26. Oktober 2017

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