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Kindex-Lexikon

Vorteile und Nachteile der Kindheit

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Dies ist kein Lexikoneintrag im eigentlichen Sinne. Sondern ein lockerer Gedankenfluss zum Thema Kindheit. Kinder können es gar nicht erwarten, bis sie endlich erwachsen sind, Erwachsene blicken gerne auf ihre Kindheit zurück. Vermutlich träumen wir immer von dem, was uns gerade fehlt.

Die Kindheit ist ein Konstrukt

Ein junger Mensch wird nicht automatisch zum Kind. Auch ein kurzer Mensch ist noch lange kein Jugendlicher. Was ein Kind sein soll, wird durch das Gesetz bestimmt. Das ist derzeit ein Mensch unter 14 Jahren. Junge Menschen zwischen dem 14. und dem 18. Lebensjahr werden dann als Jugendliche bezeichnet. Sie hören es ja auch meistens nicht so gerne, wenn man sie denn noch als Kind tituliert.

Kinder waren nicht immer Kinder

Menschen unter 14 Jahre sind also Kinder. Das war nicht immer so. Rückblickend hat sich die Menschheit in den meisten Kulturen über den Begriff des Kindes nicht so viele Gedanken gemacht. Kinder waren einfach junge Menschen und hatten mehr oder weniger auch die selben Rechte und Pflichten wie ein Erwachsener. Je nach ihren Möglichkeiten eben, die natürlich wiederum durch ihr Alter mehr oder weniger vorgegeben waren. Und so war es auch eine Selbstverständlichkeit, dass ein Kind auch in die Arbeit im Haushalt oder im Hof entsprechend eingebunden war. Eine Tradition, die sich manche Eltern vielleicht wieder wünschen würden.

Das beschützte Kind

Das Kind von heute arbeitet nicht mehr. Es wächst in einem beschützen Umfeld auf. Das hat viele Vorteile, aber vielleicht auch Nachteile. Das Kind von früher lebte einfach zusammen mit der Großfamilie oder am Hof und lernte seine Fertigkeiten unmittelbar, in dem es mit dabei war. Das Lernen in der Schule wirkt hingegen oft sehr theoretisch und der unmittelbare Bezug zum eigenen Leben ist manchmal schwer erkennbar. Das Jugendarbeitsschutzgesetz setzt heute Verbote für Kinder, ihr eigenes Geld zu verdienen. Natürlich stehen löbliche Absichten hinter diesem Gesetz, aber selbst erarbeitetes Geld sorgt natürlich auch für eine gewisse Unabhängigkeit, für Erfolgserlebnisse und Selbstwertgefühl. Die Möglichkeiten vieler Kinder von heute, sich über eigene Erfolge zu definieren sind begrenzt. Vielleicht ein Nachteil der behüteten Kindheit?

Eine Kindheit voller Verbote

Das Leben junger Menschen ohne die beschützte Kindheit wäre heute schier undenkbar. Und über die Vorteile einer Definition von Kindheit brauchen wir auch nicht zu diskutieren. Wir können uns aber auch bewusstmachen, dass jeder Schutz auch gleichzeitig ein Verbot für das Kind selbst darstellt. Der Schutz vor Ausbeutung in der Kinderarbeit ist gleichzeitig auch ein Verbot für das Kind, eigenes Geld zu verdienen. Und so ist die Kindheit voll von Regelungen, die dafür sorgen, dass dem Kind vieles nicht erlaubt ist, was denn der Erwachsene darf. Und so wünschen sich viele Kinder, doch endlich erwachsen zu sein. Und das, obwohl die Kindheit doch so schön und so behütet und beschützt ist. Und dann sind wir eines Tages wirklich erwachen. Und wünschen uns unsere Kindheit zurück. Das Leben ist eben voller Widersprüche.


Foto: andreas160578 / pixabay.com (public domain)
Artikel geschrieben von Andreas Mettler
veröffentlicht am Mittwoch, 5. Juli 2017

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